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15 & 20 Jahre: Jubiläen unserer Marketingstudiengänge

Die Studiengangsleiter Helmut Kammerzelt und Harald Wimmer im Interview über Entwicklungen, Meilensteine und die Zukunft der Marketing-Ausbildung

Im Wintersemester 2006 ging das Bachelorstudium Marketing & Kommunikation (damals noch „Media- und Kommunikationsberatung“) mit 44 Studierenden an den Start. 5 Jahre später (Wintersemester 2011) folgte das Masterstudium Digital Marketing & Kommunikation (damals noch „Master Media- und Kommunikationsberatung“) mit 22 Studierenden: Wie sah der Studienalltag im Vergleich zu heute aus?

Helmut Kammerzelt: 2006 gab es weder das heutige Gebäude A noch das heutige Gebäude B (Anmerkung: der heutige Campus St. Pölten). Wir waren auf die Standorte in der Herzogenburger Straße und im BIZ aufgeteilt und mussten an manchen Tagen mehrfach zwischen den beiden Standorten zu Fuß „pendeln“. Oft war das ganz witzig, wenn man gemeinsam von Standort A zu Standort B gewandert ist.

Harald Wimmer: Auch 2011 fanden alle Lehrveranstaltungen komplett in Präsenz, verteilt auf mehrere Standorte, statt. Heute gibt es eine Mischung aus Online- und Präsenz-Lehre und die Räumlichkeiten sind alle am Campus St. Pölten vereint.

Wenn wir einen Blick auf die vergangenen 20 Jahre werfen: Wie hat sich das Curriculum des Bachelorstudiums Marketing & Kommunikation weiterentwickelt? Welche Inhalte wurden stetig modernisiert oder ergänzt, um Studierende bestmöglich auf die Berufspraxis vorzubereiten? 

Helmut Kammerzelt: Wir haben zu Beginn – in Unterschied zu vielen anderen Studiengängen – die Strategie verfolgt, uns mit hoher Frequenz in kleinen Schritten zu entwickeln. Andere Studiengänge ändern jahrelang nichts und stellen dann „über Nacht“ Vieles um. Der Studienplan ist heute natürlich massiv digitaler als das vor 20 Jahren der Fall war.

Auch bei den Spezialisierungen hat sich etwas getan. Im Erst-Studienplan gab es z. B. die Spezialisierungen „Existenzgründung und Unternehmensnachfolge“ bzw. „Markt- und Mediaforschung“, die heute nicht mehr in dieser Form bestehen. Auch die aktuellen Wahlpflichtmodule „PR“ und „Eventmanagement“ waren damals in einer gemeinsamen Spezialisierung vereint.

Wie sieht diese Entwicklung beim Master Digital Marketing & Kommunikation aus? Was hat sich in den vergangenen 15 Jahren getan?

Harald Wimmer: Die Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit spiegeln sich heute viel stärker im Curriculum wider und werden zukünftig noch tiefer in der Lehre verankert sein. So wurden (und werden) auch die Studieninhalte in diesen Bereichen laufend angepasst bzw. neu integriert. Diese Future Skills werden im Job- und Berufsalltag in der Werbe- und Kommunikationsbranche zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Viele Einsteiger*innen verbinden Marketing zunächst nur mit Werbung oder PR. Wie unterstützt ihr Studierende dabei, ein breiteres, strategischeres Verständnis von Marketing zu entwickeln?

Helmut Kammerzelt: Eine wichtige Rolle spielt hier das erste große Praxisprojekt im 3. Semester. Die Studierenden sehen/erleben hier, dass Kommunikation (promotion) nicht losgelöst von anderen Marketing-Mix-Teilbereichen (product, price, etc.) entstehen kann und soll, sondern dass erst die Kombination gute und nachhaltig wirkende Lösungen gewährleistet.

Harald Wimmer: Es gibt jedes Semester Gastvorträge und Praxisprojekte, wo die verschiedenen Themenfelder der Werbe- und Kommunikationsbranche intensiver betrachtet werden. Bei der Lehrveranstaltung „Marketing-Konzepte“ werden die 4 Ps praxisnah bearbeitet, es gibt einen Workshop zum Thema Markenführung, der Umgang mit Daten im Marketing wird praxisnah in „Marketing Automation“ vermittelt. Es werden PR- und Werbekonzepte in Kooperation mit Unternehmen entwickelt. Im „Event- und Live Marketing“ setzen die Studierenden zwei Events, wie die MEDIAcon und EVENTcon, selbst um.

Pro Jahr werden 22 Plätze für den Master Digital Marketing & Kommunikation vergeben. Welche Eigenschaften zeigen Bewerber*innen, die besonders gut ins Studium passen?

Harald Wimmer: Die Bewerber*innen sollten sich natürlich für Tätigkeiten in der Werbe- und Kommunikationsbranche interessieren. Zu den wichtigsten Eigenschaften für das Studium zählen Teamfähigkeit, Leistungsbereitschaft, Stressresistenz sowie strukturiertes Arbeiten an mehreren Projekten bzw. Aufgaben, die parallel zu erledigen sind. Denn das sind auch die Skills, die im späteren Berufsleben zählen.

Welche Spezialisierungen sind im Master Digital Marketing & Kommunikation besonders beliebt und welche Kombinationen eröffnen besonders spannende Tätigkeitsfelder (Anmerkung: Aus den fünf  Schwerpunkten Event- und Live-Marketing, Werbung, Public Relations, Direkt Marketing sowie Kommunikationsdesign und Werbegrafik sind zwei zu wählen)?

Harald Wimmer: Die Spezialisierungen „Werbung“ sowie „Kommunikationsdesign und Werbegrafik“ sind seit vielen Jahren sehr beliebt und werden auch am häufigsten als Spezialisierungs-Kombination gewählt. Prinzipiell eröffnen alle möglichen Kombinationen der verschiedenen Spezialisierungen spannende Tätigkeitsfelder in der Werbe- und Kommunikationsbranche. Je nach Jobwunsch sollten die Studierenden die entsprechenden Spezialisierungen auswählen.

Auch im Bachelorstudium können sich Studierenden ab dem 4. Semester für zwei Spezialisierungen entscheiden. Zur Auswahl stehen Eventmanagement, Werbung, Public Relations sowie Media- und Kommunikationsplanung. Welche Themenbereiche sind bei den Studierenden im Allgemeinen besonders beliebt und welche Potentiale entdecken sie meist erst während der Lehrveranstaltung?

Helmut Kammerzelt: „Werbung“ ist oft die meist-gewählte Spezialisierung. „Media- und Kommunikationsplanung“ sagt 95% der Studierenden im 1. Semester wenig bis gar nichts. Diese Liebe muss sich erst im Lauf des Studiums entwickeln.

Digitale Themen entwickeln sich rasch: Wie stellt ihr sicher, dass Inhalte aktuell bleiben und Studierende stets praxisrelevante Kompetenzen aufbauen?

Harald Wimmer: Es erfolgt ein regelmäßiger Austausch mit den Mitgliedern des Fachbeirates und mit den Alumni unserer Marketing-Studiengänge. Weiters gibt es eine enge Verknüpfung mit unterschiedlichen Branchen-/Fachverbänden (z.B. DMVÖ - Dialog Marketing Verband Österreich, iab - Interactive Advertising Bureau, PRVA - Public Relations Verband Austria). Somit bleiben wir am praxisnahen Puls der Zeit und halten uns über neue Entwicklungen und Trends stets am Laufenden.

Stichwort „Künstliche Intelligenz“: KI-Tools haben große Auswirkungen auf Lehre und Lernen. Wie reagiert ihr darauf und wie wirkt sich dieser Umstand konkret in den Lehrveranstaltungen aus? Haben sich auch Leitungsnachweise verändert? 

Helmut Kammerzelt: Die Auswirkungen von KI betreffen mehrere Ebenen: die Inhalte, die Leistungsnachweise und natürlich die Kompetenzen. Am deutlichsten sieht man die Änderungen z. B. bei der Bachelorarbeit. Wir gehen hier einen ganz anderen Weg als viele andere Hochschulen. Bei uns ist KI nicht verboten, sondern soll sogar eingesetzt werden. Wir erachten es als sinnlos, Tools zu verbieten, die auch den beruflichen Alltag von Alumni massiv beeinflussen. Im Gegenteil, unsere Studierenden sollen die Anwendung - in so vielen Lehrveranstaltungen wie möglich - üben.  

Harald Wimmer: Die Künstliche Intelligenz ist auch im Master in verschiedenen Lehrveranstaltungen fix verankert. So wird die KI bei einigen Aufgabenstellungen ganz gezielt eingesetzt. Seminararbeiten oder Reflexionen z. B.  werden im Rahmen der Erbringung von Leistungsnachweisen jetzt anders gewichtet, da hier die KI immer stärker zum Einsatz kommt.

Zum Abschluss werfen wir einen Blick in die Zukunft: Welche Kompetenzen werden für Marketing-Absolvent*innen in den kommenden Jahren immer wichtiger werden? Und welche Fähigkeiten werden (z. B. durch den Einsatz von KI) an Bedeutung verlieren?

Harald Wimmer: Der Umgang mit sowie der Einsatz von KI im Arbeitsalltag werden zunehmend an Bedeutung gewinnen. Auch Kompetenzen im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit (z.B. CO2-Abdruck von Werbekampagnen, Green Claims, …) werden in Zukunft immer wichtiger werden.

Dazu wird es auch sicherlich stetig neue Regelungen bzw. Verordnungen auf EU-Ebene (z. B. DSGVO – Datenschutz-Grundverordnung, Digital Service Act, AI Act, usw.) geben, die ebenfalls im laufenden Geschäft zu berücksichtigen sind.

Helmut Kammerzelt: Ich habe mehrere Bilder im Kopf, wenn ich an KI denke. Einerseits sind Studierende und Alumni künftig – stärker als bisher – Kommunikations-Dirigent*innen, die den Output von KI dirigieren. Andererseits sind Studierende und Alumni aufgefordert, dem Motto eines OASIS-Albums (Standing on the shoulder of giants) zu entsprechen. Die Studierenden können auf dem KI-Output aufbauen und so in Summe eine höhere Gesamt-Qualität erreichen, als das bislang möglich war.

Vielen Dank für das Interview!

Wir gratulieren unseren Marketing-Studiengängen herzlich zum Jubiläum und freuen uns auf alles, was noch kommt!

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