Case Management schafft passgenaues Hilfenetzwerk
arlt.dialog – Karin Goger im Gespräch
Case Management ist ein Schwerpunkt im Master-Studiengang Soziale Arbeit. Arlt.dialog sprach mit FH-Professorin Karin Goger darüber, wie die Absolvent*innen von diesen Lehrinhalten profitieren.
Was macht sozialarbeiterisches Case Management aus?
Mit Case Management werden Personen in gesundheitlichen und sozialen Multiproblemlagen dabei unterstützt, die individuell passenden Unterstützungen und Behandlungen zu finden. Social Work Case Manager*innen lassen Klient*innen nach Information, Beratung und Verweisen nicht allein. Sie stehen kontinuierlich an der Seite ihrer Klient*innen und übernehmen Verantwortung dafür, die Hilfen aufeinander abzustimmen und zu koordinieren. Durch dieses „Management“ der Unterstützungen soll ein passgenaues Hilfenetzwerk entstehen.Sozialarbeiterisches Case Management zeichnet sich durch die konsequente Orientierung an den Klient*innen, ihren Bedürfnissen, Sichtweisen Interessen, Stärken und Ressourcen im Sinne einer kritischen Parteilichkeit aus. Die gemeinsame Arbeit ist von transparenter Kooperation getragen, die Autonomie und Selbstbestimmung anerkennt und stärkt.
Sozialarbeiter*innen, die als Case Manager*innen fungieren, sind wie Lots*innen, die den*die Kapitän*in beim Navigieren beraten und bei Bedarf auch tatkräftig unterstützen.
Warum macht der Fokus auf Case Management das Masterstudium Soziale Arbeit an der USTP so besonders?
Mit der Vertiefungsrichtung Case Management wird den zunehmenden Komplexitäten der Fallarbeit Rechnung getragen. Die Studierenden vertiefen und erweitern ihre Kompetenzen, sich navigierend in interdisziplinären und handlungsfeldübergreifenden Netzwerken zu bewegen und sich für die berechtigten Anliegen und Interessen ihrer Klientel zu engagieren. Die Verschränkung mit weiteren Vertiefungsrichtungen gewährleistet, dass auch Organisationen und Netzwerke in den Blick genommen werden. Als Case und Care Manager*innen können die Absolvent*innen zu solchen Rahmenbedingungen beitragen, die es für eine klient*innenzentrierte Unterstützung und Versorgung braucht.
Absolvent*innen haben die Möglichkeit, die Zertifizierung der Österreichischen Gesellschaft für Care & Case Management (ÖGCC) zu erlangen. Wie profitieren sie von diesem Zertifikat?
Case Management ist kein geschützter Begriff, in Österreich kann sich jede*r als Case Manager*in bezeichnen. Mit dem Zertifikat der ÖGCC erlangen die Absolvent*innen bei entsprechenden Zugangsvoraussetzungen eine anerkannte Bescheinigung ihrer fundierten Qualifikation als Case Manager*in. Das Zertifikat ÖGCC wird von der Deutschen Schwestergesellschaft (DGCC) anerkannt, sodass zertifizierte Case Manager*innen grundsätzlich auch im Nachbarland tätig werden können.
Welche Karrierewege eröffnen sich durch diese Spezialisierung?
Absolvent*innen gewinnen Sicherheit für die Arbeit in komplexen Fällen. Sie können fallbezogene Teams und Netzwerk koordinieren und moderieren, sie können andere Fachkräfte im Fall anleiten, zwischen den beteiligten Akteur*innen übersetzen und vermitteln und vieles mehr. Neben der selbstständigen Fallführung verfügen Absolvent*innen außerdem über Fähigkeiten zu Gestaltung von fallübergreifenden Organisationsstrukturen und einrichtungsübergreifenden Netzwerken.
Das Zertifikat der ÖGCC ist zusätzlich in solchen beruflichen Zusammenhängen von Bedeutung, wo Case Management ein integraler Bestandteil des Konzepts ist und wo Geldgeber*innen entsprechende Qualifikationen der Mitarbeiter*innen fordern.