Praxisnah, kreativ und interdisziplinär
Erfolgreiche Live-TV-Studioproduktion an der USTP mit neuer Studiotechnik
Im Studiengang Digital Media Production der USTP – University of Applied Sciences St. Pölten wurde in den vergangenen Wochen eine umfangreiche TV-Studioproduktion realisiert, die eindrucksvoll zeigt, wie praxisorientierte Lehre, technische Innovation und kreative Teamarbeit ineinandergreifen. Studierende aus den Masterklassen Film & TV, Animation & Visual Effects sowie 3D Audio & Sound Design arbeiteten dabei eng zusammen – von der ersten Idee bis zur Live-Ausstrahlung.
Ziel der Produktion war es, reale Arbeitsbedingungen der Medienbranche möglichst authentisch abzubilden. Konzeption, Drehbuch, Setdesign, Kameraarbeit, Lichtsetzung, Tonaufnahme und Regie lagen vollständig in studentischer Verantwortung. Unterstützt wurden sie von insgesamt neun Lehrenden, die beratend begleiteten, ohne den kreativen Prozess vorzugeben. So konnten die Studierenden eigenständig Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen – eine zentrale Kompetenz für den späteren Berufsalltag.
Live – die Challenge
Eine besondere Herausforderung bestand darin, dass die Sendung live gestreamt wurde. Live-TV-Produktionen zählen zu den anspruchsvollsten Formaten der Medienpraxis: Es gibt keine zweite Chance, Fehler lassen sich nicht korrigieren und alle Abläufe müssen exakt aufeinander abgestimmt sein. Gleichzeitig erfordern Live-Sendungen ein hohes Maß an Flexibilität, da auf unvorhergesehene Situationen wie technische Störungen oder zeitliche Verschiebungen sofort reagiert werden muss.

Szenenbild | Copyright: USTP
Die präzise Vorbereitung spielte daher eine entscheidende Rolle. Ablaufpläne, Kameraskripte und Regieanweisungen wurden detailliert ausgearbeitet. Während der Sendung mussten Regie, Bildtechnik, Kamera-, Ton- und Lichtteam in Echtzeit zusammenarbeiten. Jede Kameraeinstellung, jeder Tonpegel und jeder Lichtwechsel wirkte sich unmittelbar auf das gesendete Bild aus – eine Situation, die höchste Konzentration und klare Kommunikation erforderte.

Blick ins Studio | Copyright: Pascal Bruckner
''Während der Produktion laufen in der Regie viele Kommunikationswege parallel. Über Bolero, das Kamera-Intercom oder im direkten Austausch müssen Bild und Ablauf im Blick behalten sowie Schnitte und Einblendungen koordiniert werden, meist innerhalb eines engen Ablaufplans. Wenn einzelne Kommunikationswege kurzfristig nicht funktionieren, wird pragmatisch improvisiert, getragen von der guten Zusammenarbeit im Team'', sagt Sandra Schwab, Masterstudentin im Bereich Film & TV, die bei der Produktion Regie führte.

Blick in die Regie | Copyright: Lars Oertel
Neue Studiotechnik im Einsatz
Ein technisches Highlight der Sendung war der erstmalige Einsatz der neuen Studiokameras, die die bisherigen Geräte nach rund 18 Jahren im Dienst ablösen. Die alten Kameras hatten über viele Jahre hinweg zuverlässig gearbeitet und zahlreiche Studierendengenerationen begleitet. Die neuen Systeme überzeugen nun durch deutlich verbesserte Bildqualität und eine moderne Integration in die Studioinfrastruktur.
Ergänzt wurde das Setup durch zwei neue PTZ-Kameras (Pan-Tilt-Zoom), die flexible und ungewöhnliche Perspektiven ermöglichen – unter anderem Aufnahmen direkt von der Studiodecke. Diese eröffnen neue kreative Möglichkeiten, die während der Live-Produktion erstmals umfassend genutzt wurden.

Die neuen Kameras warten auf ihren Einsatz | Copyright: Lars Oertel
Eine zentrale Rolle spielte zudem die neue Riedel-Interkom-Anlage, die als Quasi-Standard in der professionellen Medienbranche gilt. Eine stabile und verzögerungsfreie Kommunikation ist bei Live-Produktionen essenziell, da alle Gewerke permanent koordiniert werden müssen. Die Riedel-Interkom ermöglicht klare Kommunikation sowie frei konfigurierbare Sprechgruppen. Dadurch konnten Abläufe effizient gesteuert und Stresssituationen im Live-Betrieb deutlich reduziert werden.

Eines der Bedienfelder der Interkom (unten) | Copyright: Lars Oertel
Für die Studierenden stellte die Arbeit mit dieser Technik einen besonderen Mehrwert dar. Riedel-Systeme werden weltweit bei Fernsehproduktionen, Sportübertragungen und Großevents eingesetzt. Bereits im Studium damit zu arbeiten, schafft eine realistische Produktionsumgebung und erleichtert den späteren Einstieg in die Medienbranche erheblich.
Praxisnahe Ausbildung für die Medien- und Kreativbranche
Die Studiosendung "Unseen – Wahrheit oder Täuschung" stellte vor allem durch das ungewöhnliche Setkonzept eine besondere Herausforderung dar. Die größte Aufgabe bestand darin, die Idee eines jurtenartigen Zeltes mit Stoffmaterialien sicher und stimmig in das TV-Studio zu integrieren und dabei Statik, Licht, Atmosphäre und Technik zu einem mystischen Gesamtbild zu verbinden. "Als Produktionsleitung war es entscheidend, die Zusammenarbeit aller Gewerke, vom Regieraum bis zum Studiofloor sowie den Livestream inklusive interaktiver Elemente wie Zuschauer-Voting und der 'Kugel der Wahrheit' so zu koordinieren, dass alles flüssig und zuverlässig funktionierte", so Pascal Bruckner, Masterstudent im ersten Semester und Produktionsleiter.
Live-Produktionen fordern jedoch nicht nur technisch, sondern auch mental. Moderatorin, Gäste und Crew müssen unter Zeitdruck souverän agieren, während im Regieraum Entscheidungen oft in Sekundenbruchteilen getroffen werden. Der strikte Zeitplan einer Live-Sendung lässt kaum Spielraum – selbst kleine Abweichungen können den gesamten Ablauf beeinflussen.
''Mit dieser Studioproduktion unterstreicht die Hochschule ihren Anspruch, Studierende praxisnah auf die Anforderungen der Medien- und Kreativbranche vorzubereiten'', betont Lars Oertel, Lehrveranstaltungsleiter der Lehrveranstaltung "TV-Studiotechnik und Studio Automation". „Die Kombination aus Live-Bedingungen und moderner Technik schafft eine Ausbildungssituation, die dem Berufsalltag sehr nahekommt.“
Mach dir selbst ein Bild von der Produktion! Du findest die Aufzeichnung hier.