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Nachgehakt: Armin Wolf über ...

... Putin, den ORF und die Wahrheit des Journalismus

Von Merisa Huremovic (Medienmanagement-Studentin)

Was macht ein gutes Interview aus – und wie fühlt es sich an, wenn der/die Interviewpartner*in zurückfragt? Diese und viele weitere Fragen standen im Mittelpunkt eines besonderen Gastvortrags an der Hochschule Burgenland.

FH-Prof. Mag. Dr. Michael Roither hatte die Studierenden des 2. Fachsemesters Medienmanagement der USTP – University of Applied Sciences St. Pölten im Rahmen seiner Lehrveranstaltung „Journalismus, Daten und Visualisierung" dazu eingeladen – und niemand Geringeres als Dr. Armin Wolf interviewt, das langjährige Gesicht der ZIB 2 und eine der bekanntesten journalistischen Stimmen Österreichs. 

Der Vortrag war zugleich eine Buchvorstellung: Armin Wolf ist Mitherausgeber des neu erschienenen Lehrbuchs „Praktischer Journalismus", einem Werk für alle, die Journalismus ausüben – oder verstehen wollen, wie er funktioniert.

Vom Werdegang zum Putin-Interview

Wolf schilderte zunächst seinen journalistischen Werdegang, bevor er auf seine Karriere einging. Besonderes Gewicht hatte das Putin-Interview aus dem Jahr 2018: Es galt unter ungewöhnlichen Bedingungen – kein Moskauer ORF-Korrespondent war zugegen, das gesamte Gespräch musste nach der Aufzeichnung gemeinsam mit der Stabstelle des Präsidenten zur deutschen Übersetzung freigegeben werden und die Themenblöcke mussten vorab bekanntgegeben werden. Besonders heikel: Putin stellt Interviewern gerne Gegenfragen, um sie bloßzustellen – etwa „Warum wissen Sie das nicht?"

Sachlichkeit trifft Emotion

Ein Interview bewege sich stets auf zwei Ebenen, erklärt Wolf: einer sachlichen und einer emotionalen. Es sei schlichtweg unmöglich, es dem gesamten Publikum recht zu machen – und das gehöre zum Beruf dazu. Als Moderator im politischen Bereich sprach er auch über die gesellschaftliche Bedeutung von Politik und warum er es für einen der größten Irrtümer hält, zu glauben, Politik gehe einen nichts an.

Offene Worte zum ORF-Sparpaket

In der anschließenden Diskussionsrunde sorgte Studentin Roberta Aleksandrovna für einen pointierten Moment des Abends: Sie konfrontierte Armin Wolf mit dem laufenden ORF-Sparpaket von 325 Millionen Euro – inklusive Frühpensionierungen und Stellenabbau im höheren Gehaltsbereich – und fragte direkt, ob er sich als bestverdienender Journalist im Haus persönlich betroffen fühle. Armin Wolf antwortete ohne Ausweichen: Er habe Angebote von deutschen Sendern mit noch höherem Gehalt erhalten und sich dennoch für den ORF entschieden. Zugleich findet er es unfair, dass Berufsgruppen wie Lehrpersonen oder Reinigungskräfte deutlich weniger verdienen.

Was es braucht, um Journalist*in zu werden

Zum Abschluss richtete Michael Roither den Blick auf die Zukunft der Anwesenden und bat Armin Wolf um Empfehlungen für alle, die in den Journalismus einsteigen möchten. Der Moderator antwortete direkt: Wer primär Ruhm oder ein hohes Gehalt anstrebt, ist fehl am Platz. Was zählt, sind echte Neugier und die Fähigkeit, mit Druck umzugehen. Und wer den Stress des Berufsalltags langfristig bewältigen will, dem empfahl Armin Wolf bewusst Ausgleich zu schaffen – durch persönliche Beziehungen und Gespräche, die wirklich von Bedeutung sind.

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FH-Prof. Dr. Krone Jan

FH-Prof. Dr. Jan Krone

Hochschul-Dozent Department Medien und Digitale Technologien