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Industrielle Produkte nachhaltig gestalten

Wie der Digitale Produktpass eine ganzheitliche Betrachtung des Produktlebenszyklus ermöglicht

Ein neuer Fachbeitrag des Institute for Innovation Systems der USTP – University of Applied Sciences St. Pölten - unter Federführung von Siemens Österreich - zeigt, wie industrielle Produkte nicht nur leistungsfähig und wirtschaftlich, sondern auch nachhaltig gestaltet werden können.

Das Kapitel „Sustainability-Aware Product Configuration“, veröffentlicht im Springer-Band „Product Configuration“ im Rahmen der Serie „SpringerBriefs in Computer Science“, widmet sich der Frage, wie Nachhaltigkeit systematisch in die Konfiguration industrieller Produkte integriert werden kann.

Die Fachpublikation basiert auf dem Projekt ECO-TCO, das vom Institute for Innovation Systems der USTP gemeinsam mit Siemens Österreich und LPA Law Vienna (vormals Höhne in der Maur & Partner Rechtsanwälte) umgesetzt und von der FFG (Digitale Technologien 2023: Mit Regulierung und Souveränität zur Innovation) finanziert wird.

Von klassischer Konfiguration zu nachhaltigen Entscheidungen

Produktkonfiguration ist ein zentraler Bestandteil moderner industrieller Systeme. Sie ermöglicht es, komplexe Produkte effizient an spezifische Anforderungen anzupassen. Traditionell stehen dabei funktionale Anforderungen, technische Spezifikationen und Kosten im Vordergrund. Doch diese Perspektive greift heute zu kurz. Nachhaltigkeitsaspekte wie Ressourcenverbrauch, Emissionen oder Recyclingfähigkeit müssen zunehmend bereits in frühen Entscheidungsphasen berücksichtigt werden. Genau hier setzt der Ansatz der nachhaltigkeitsbewussten Produktkonfiguration an.

Das Konzept erweitert klassische Modelle um:

  • Lebenszyklusdaten
  • Umweltkennzahlen (KPIs)
  • Bewertungen unterschiedlicher Konfigurationsoptionen

So wird es möglich, fundierte Entscheidungen zu treffen, die sowohl ökonomische als auch ökologische Aspekte berücksichtigen.

Der gesamte Lebenszyklus im Blick

Ein zentraler Gedanke des Fachbeitrags ist die ganzheitliche Betrachtung des Produktlebenszyklus. Nachhaltigkeit entsteht nicht in einer einzelnen Phase, sondern durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren:

  • Herstellung: Materialwahl, Energieverbrauch, Produktionsprozesse
  • Nutzung: Energieeffizienz, Wartung, Lebensdauer
  • End-of-Life: Wiederverwertung, Recyclingfähigkeit, Entsorgung

Anhand eines industriellen Praxisbeispiels – dem Siemens-System SITOP PSU8600 – wird gezeigt, wie diese Faktoren in realen Konfigurationsprozessen berücksichtigt werden können. Dabei spielen messbare Umweltindikatoren eine entscheidende Rolle: Sie machen Nachhaltigkeit vergleichbar und integrierbar in bestehende Entscheidungslogiken.

Digitale Produktpässe als Schlüsseltechnologie

Ein wichtiger Enabler für diese Entwicklung ist der Digitale Produktpass (DPP). Er bündelt relevante Informationen über Materialien, Herstellung, Nutzung und Entsorgung eines Produkts.

Durch die Integration in Konfigurationssysteme können:

  • Transparenz über Umweltwirkungen geschaffen werden
  • bessere Vergleichbarkeit von Produktoptionen ermöglicht werden
  • datenbasierte nachhaltige Entscheidungen getroffen werden

Forschungsprojekt ECO-TCO: Nachhaltigkeit und Praxis verbinden 

Die im Kapitel vorgestellten Ansätze sind im Kontext des Forschungsprojekts ECO-TCO entstanden. Das Projekt untersucht, wie Nachhaltigkeitsdaten sinnvoll in industrielle Entscheidungsprozesse integriert werden können. Im Fokus steht die Verbindung von:

  • ökologischer Bewertung
  • wirtschaftlicher Effizienz
  • praktischer Umsetzbarkeit in Unternehmen

Ein zentrales Konzept ist hierbei Total Cost of Ownership (TCO): Neben klassischen Kosten werden auch langfristige ökologische Auswirkungen berücksichtigt, um ganzheitlich bessere Entscheidungen zu ermöglichen.

Mehr zum Projekt ECO-TCO erfahren

Folgende Demonstratoren sind bisher aus dem Projekt hervorgegangen:

 Autor*innen und Beitrag

Die Fachpublikation „Sustainability-Aware Product Configuration“, wurde von einem interdisziplinären Team aus Forschung und Praxis verfasst, bestehend aus Tassilo PellegriniGottfried Schenner, Giray HavurSophie Rogenhofer, Stefan Wallner, Erwin Filtz, Andreas Falkner und Richard Comploi-Taupe.

Der Beitrag zeigt, wie sich Nachhaltigkeit nicht als zusätzlicher Schritt, sondern als integraler Bestandteil von Produktentscheidungen verankern lässt.

Damit wird ein wichtiger Paradigmenwechsel unterstützt – weg von rein kosten- und funktionsgetriebenen Ansätzen hin zu verantwortungsvoll gestalteten industriellen Systemen, die sowohl wirtschaftlichen als auch ökologischen Anforderungen gerecht werden.

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Forschungsprojekte des Institute for Innovation Systems zum Digitalen Produktpass:

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FH-Prof. Mag. Dr. Pellegrini Tassilo

FH-Prof. Mag. Dr. Tassilo Pellegrini

Institutsleiter Institute for Innovation Systems Department Digital Business und Innovation