Post-Cookie-Ära und AI im digitalen Marketing

Tom Peruzzi von Virtual Minds zu Gast: Studierende erhalten Einblicke in Identity-Lösungen, Contextual Targeting und Agentic Marketing

Im Oktober 2025 erhielten die Studierenden des 5. Semesters im Bachelorstudium Marketing & Kommunikation an der USTP - University of Applied Sciences St. Pölten praxisnahe Einblicke in die Zukunft des digitalen Marketings. Thomas „Tom" Peruzzi, Vorstandssprecher und CTO von Virtual Minds GmbH, präsentierte auf Einladung von Barbara Klinser-Kammerzelt in der Lehrveranstaltung Digital & Content Marketing aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen der Post-Cookie-Ära.

Von Cookie-Historie zu neuen Targeting-Strategien

Peruzzi beleuchtete zunächst die Geschichte des Third-Party-Cookies und dessen schrittweisen Wegfall. Die Herausforderung für Marketer*innen: Die digitale Reichweite ist zwar groß, doch die tatsächlich adressierbare Reichweite wird durch AdBlocker, fehlende Consent-Zustimmungen und technische Restriktionen massiv eingeschränkt. In Europa liegt die adressierbare Reichweite über Third-Party-Cookies bei nur noch rund 30 %.

Alternative Lösungen im Fokus

Der Vortrag stellte vier zentrale Post-Cookie-Alternativen vor:

  • First-Party-Data: Publisher*innen und Unternehmen nutzen eigene Daten aus Login-Informationen und CRM-Systemen. Technologien wie Data Clean Rooms, Customer Data Platforms und Data Management Platforms ermöglichen die intelligente Nutzung dieser Daten.
  • Contextual Targeting: Werbung wird basierend auf dem inhaltlichen Umfeld ausgespielt – datenschutzfreundlich und plattformübergreifend, jedoch weniger präzise als Behavioral Targeting.
  • Identity-Lösungen: Über 70 ID-Lösungen existieren derzeit am Markt. Virtual Minds entwickelte mit „AnyID Frequency Capping" eine Technologie, die mehrere IDs gleichzeitig verarbeitet und Streuverluste reduziert.
  • Privacy Sandbox & Alternativen: Google's Topics API und Protected Audience API sowie Microsoft's Parakeet bieten datenschutzkonforme Ansätze, befinden sich aber noch in der Entwicklungsphase.

Agentic Marketing als Zukunftstrend

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf Künstlicher Intelligenz und Agentic Marketing. Laut Peruzzi können AI-gestützte Systeme künftig eigenständig Kampagnen planen, optimieren und durchführen. Im Gegensatz zu klassischer Marketing-Automation agieren diese Systeme proaktiv, lernen autonom und ermöglichen hyperpersonalisierte, kanalübergreifende Kundenerlebnisse. Bis Ende 2025 erwarten 48 % der Marketer*innen, primär auf Cookie-freie Targeting-Taktiken zu setzen.

Komplexität und Kosten steigen

Peruzzi machte deutlich: Die Post-Cookie-Welt wird komplexer und teurer. Die Fragmentierung durch zahlreiche ID-Lösungen, unterschiedliche Consent-Modelle und neue technische Standards erfordert von Marketer*innen kontinuierliche Weiterbildung und Anpassungsfähigkeit.

Praxiswissen für die digitale Zukunft

Der Gastvortrag bot den Studierenden Einblicke in aktuelle komplexe Branchenentwicklungen und zeigte, wie sich digitales Marketing im Spannungsfeld zwischen Datenschutz, Technologie und Effektivität bewegt. Für den Studiengang Marketing & Kommunikation an der USTP unterstreicht die Veranstaltung die praxisnahe Ausrichtung und die enge Verzahnung mit aktuellen Trends wie AI, Programmatic Advertising und datenschutzkonformem Marketing – Kompetenzen, die für die Karriere in einer zunehmend datengetriebenen Marketingwelt unverzichtbar sind.