Wie Bildung das Medienhandeln prägt
IC\M/T-Forscherin Katharina Kirchpfening verteidigte an der Universität Klagenfurt ihre Dissertation zur Mediensozialisation bildungsarmer Erwachsener
Was tun Menschen mit Medien – und was lassen sie bewusst bleiben? Dieser Frage ging Katharina Kirchpfening, Forscherin am Institut für Creative Media Technologies der USTP – University of Applied Sciences St. Pölten, in ihrer Dissertation nach. Am 30. Juni 2026 verteidigte sie ihre Arbeit „Medialer Habitus, Bildung und Medienhandeln. Zur Mediensozialisation bildungsarmer Erwachsener in einer mediatisierten Welt" an der Universität Klagenfurt.
17 Interviews, eine Generation im Umbruch
Grundlage der Arbeit sind 17 medienbiografische Interviews mit bildungsarmen Erwachsenen in Österreich. Alle Befragten waren bereits erwachsen, als die ersten Heimcomputer und Mobiltelefone in die Haushalte kamen. Kirchpfening untersuchte, wie Bildung als kulturelles Kapital das Medienhandeln formt – und wie sich dieses Handeln über die Lebensspanne entwickelt.
Lese- und Schreibschwierigkeiten kamen in der Stichprobe häufig vor. Unzufriedenheit kaum. Die meisten Befragten hatten Routinen entwickelt, die in ihrem Alltag funktionieren, wobei das Fernsehen nach wie vor einen großen Teil der Mediennutzung ausmacht.
Drei Typen des Medienhandelns
Aus der Analyse entstanden ein Dreiebenenmodell der Mediensozialisation und eine Typologie des Medienhandelns bildungsarmer Erwachsener: offen Handelnde, unsichere Pragmatiker*innen und skeptisch Verweigernde. Was die Typen unterscheidet, ist vor allem der Zugang zu digitalen Medien und die Haltung gegenüber Neuem.
Für die Erwachsenenbildung und für die Gestaltung digitaler Angebote sind diese Ergebnisse unmittelbar anschlussfähig: Sie zeigen, dass fehlende Mediennutzung nicht automatisch ein Defizit ist, sondern oft eine bewusste Entscheidung innerhalb eines stimmigen Alltags.
Betreuung und nächste Schritte
Betreut wurde die Arbeit von Caroline Roth-Ebner und Matthias Wieser, beide Universität Klagenfurt.
„Das Projekt zeigt, wie wichtig es ist, Diversitätskriterien umfassend mitzudenken und sensibel für Einflussfaktoren zu sein. Das gilt sowohl für die Wissenschaft als auch für die Praxis. So ist es beispielsweise für viele eine große Barriere, online tätig zu werden, weil es dafür neben Media Literacy auch grundlegender Fähigkeiten, wie Lesen oder Schreiben, bedarf.“
Weiterführende Links
Dr. Katharina Kirchpfening , Bakk.
Junior ResearcherForschungsgruppe Media Business
Institut für Creative\Media/Technologies Department Medien und Digitale Technologien