GenAI in Investor Relations 2.0

#Digital Business Communications (MA)

Game Changer oder Challenger? Replikationsstudie nach zwei Jahren generative KI in der Finanzkommunikation

Investor Relations im Wandel: Warum wir erneut hinschauen

Generative KI verändert Kommunikations-, Analyse- und Arbeitsprozesse – auch in der Finanzkommunikation. Investor Relations (IR) sind von dieser Entwicklung nicht ausgenommen. Übersetzung, Textgenerierung, Datenanalyse oder die direkte Interaktion mit Stakeholdern: Viele Aufgabenbereiche der Finanzkommunikation werden heute bereits durch KI unterstützt.

Bereits 2023 hat der Master-Studiengang Digital Business Communications der USTP eine erste Studie zum Einsatz von KI in Investor Relations durchgeführt. Diese Untersuchung zeigte erstmals, wie Unternehmen im DACH-Raum KI im IR-Kontext einsetzen, welche Chancen und Risiken gesehen werden und wie ausgeprägt das KI-Know-how innerhalb der IR-Abteilungen ist.

Zwei Jahre später hat sich das Umfeld massiv weiterentwickelt – technologisch, organisatorisch und regulatorisch. Um zu verstehen, was sich seit 2023 verändert hat, führen wir die Studie als Replikationsstudie erneut durch.

Damit leisten wir einen Beitrag zur empirischen Beobachtung eines dynamischen Feldes, das für Unternehmen, Kapitalmärkte und die Ausbildung zukünftiger Kommunikationsprofis gleichermaßen zentrale Bedeutung hat.

Zielsetzung der Studie

Die Studie untersucht, wie sich Einsatz, Wahrnehmung und Bewertung von KI in den IR-Abteilungen börsennotierter Unternehmen im DACH-Raum seit 2023 verändert haben. Durch die Wiederholung und inhaltliche Erweiterung der ersten Erhebung können auch Trends, Verschiebungen und neu entstandene Herausforderungen gut aufgezeigt werden.

 Besonderes Augenmerk liegt darauf,

  • wie weit KI heute in der IR-Praxis verankert ist,
  • welche Tools und Anwendungen sich etabliert haben,
  • wie sich Kompetenzen und KI-Know-how entwickelt haben,
  • welche Chancen und Risiken aktuell im Vordergrund stehen und
  • welche Rolle KI künftig aus Sicht der IR-Professionals spielen wird.

Die Ergebnisse sollen IR-Verantwortlichen Orientierung und die Möglichkeit bieten, sich im Unternehmensvergleich zu verorten, und zugleich unseren Studierenden Einblick in ein sich rasant veränderndes Tätigkeitsfeld geben.

Zum methodischen Vorgehen

Die Datenerhebung erfolgte mittels einer Online-Befragung von IR-Verantwortlichen führender börsennotierter Unternehmen im DACH-Raum. Zielgruppe waren Unternehmen aus den wichtigsten Indizes – DAX, MDAX, SDAX, SMI Expanded und dem Prime Market der Wiener Börse. Nach Bereinigung von Doppelnennungen und aktuellen Indexanpassungen wurden insgesamt 234 Unternehmen kontaktiert. Adressiert wurden vor allem Head of IR sowie Senior IR Manager*innen.

Die Studie kombiniert die Wiederholung des Fragebogens von 2023 zur Analyse zeitlicher Entwicklungen mit neuen Fragen, die aktuelle Trends und technologische Veränderungen abbilden.

Wer hat teilgenommen?

Die Befragung wurde im November 2025 durchgeführt und umfasst Antworten von 85 Unternehmen. Mit 52 % stammt der größte Teil der Teilnehmenden aus Deutschland, gefolgt von Österreich (39 %) und der Schweiz (7 %). Das Sample deckt grundsätzlich alle Branchen ab, mit einem Schwerpunkt auf Large Caps mit einer Marktkapitalisierung von über 5 Mrd. EUR (45 %) sowie Mid Caps zwischen 500 Mio. und 5 Mrd. EUR (32 %).

An der Befragung nahmen überwiegend Head of Investor Relations (46 %) und Senior IR-Manager*innen (32 %) teil – also Personen mit strategischer Verantwortung und direktem Einfluss auf die Einführung und Weiterentwicklung von KI in der Investor Relations-Arbeit.

Die zentralen Ergebnisse der Studie zeigen einen klaren Trend

KI hat in den letzten zwei Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen: 73% der IR-Manager*innen bestätigen einen Bedeutungszuwachs der KI in der IR, 60% der Unternehmen setzen KI in IR bereits systematisch ein (2023 waren es nur 19%). Zwar befindet sich noch ein Drittel im Experimentiermodus, aber nur 5% behaupten heute, dass KI für sie nicht relevant ist. Künstliche Intelligenz ist in Investor Relations also definitiv angekommen, aber noch kein vollumfänglicher Game Changer.

Besonders stark genutzt wird KI für Texterstellung und Übersetzungen (73%) und Recherche (63%), wodurch vor allem Effizienzgewinne erzielt werden – 93% berichten von Zeitersparnis, aber auch von einer spürbaren Steigerung der Qualität der Texte (51%). Der im Jänner 2024 gelaunchte Microsoft 365 Copilot setze sich mit 79% gegenüber anderen KI-Tools wie DeepL und ChatGPT durch, wobei auch unternehmenseigene Modelle gegenüber 2023 deutlich an Bedeutung gewonnen haben. 

Viele nutzen KI für die Erstellung von Berichtscontent (65%) oder Pressemitteilungen und Newslettern (47%). Andere IR-typische Use Cases wie Chatbots und KI-Agenten oder die Nutzung der KI bei Investor Targeting und Sentimentanalyse haben sich zwar noch nicht flächendeckend durchgesetzt, allerdings sehen IR-Manager*innen vor allem hier noch nicht ausgeschöpfte Potenziale.

Das KI-Know-how in den Teams wächst deutlich und kontinuierlich. Der Fortschritt wird vor allem durch Herausforderungen wie Halluzinationen (74%) und Compliance-Fragen (67%) gebremst. Die Erwartungen an KI sind hoch, werden aktuell aber nur teilweise erfüllt. Das kann an überzogenen Erwartungen liegen, oder aber auch daran, dass die Potenziale der existierenden KI-Tools nicht bekannt sind. Klar ist jedoch: Für 76 % der IR-Verantwortlichen wird KI in den kommenden Jahren ein integraler Bestandteil ihrer Arbeit sein. Entscheidend ist dabei weniger die Technologie selbst als die Art und Weise, wie  sie strategisch eingesetzt wird.

Praktische Bedeutung der Studie

Für IR-Verantwortliche bietet die Studie:

  • Orientierung in einem strategisch wichtigen Zukunftsfeld
  • Benchmarking und Verortung des eigenen Unternehmens in dieser Entwicklung
  • Einblicke in Trends, Erwartungen und aktuelle Herausforderungen

Die Studie zeigt, wo Investor Relations heute im Vergleich zu 2023 stehen. Sie macht sichtbar, welche KI-Anwendungen sich in der Praxis bewährt haben, und liefert Hinweise darauf, welche Kompetenzprofile künftig in IR-Teams wichtig sein werden.

Sie informiert über wahrgenommene Chancen und Risiken, zeigt aber auch Best Practices im verantwortungsvollen Umgang mit KI. Nicht zuletzt unterstützen die Erkenntnisse IR-Verantwortliche dabei, strategische Entscheidungen rund um KI-Einsatz, Weiterbildung und Ressourcenplanung fundierter zu treffen.

Projektleitung & Coaching

Das Projekt wird von Monika-Kovarova-Simecek von der USTP – University of Applied Sciences St. Pölten geleitet. Die Konzeption und Umsetzung unterstützen Studierende des Master-Studiengangs Digital Business Communications. Dazu zählen Lara Koller, Maximilian Schlatterbeck, Elena Gehmayr, Luisa Storfa.

Webinar

Die Studienergebnisse wurden am 26. März 2026 um 10 Uhr in unserem Webinar GenAI in IR 2.0 präsentiert und mit Andrea Wentscher (BASF SE) und Thorsten Greiten (Net Fed GmbH) diskutiert. Weitere Informationen zum Webinar finden Sie hier.

Hier können Sie die Interviews mit unseren Expert*innen nachlesen:

Partner*innen

Das Projekt wird unterstützt vom Circle of Investor Relations Austria (CIRA), dem Deutschem Investor Relations Verband (DIRK) sowie dem Center for Corporate Reporting (CCR).