TrinitySync

#Digital Healthcare (MA) #/Medien & Digitale Technologien #Studierenden-Projekt

Hintergrund

Der potentielle Verlust von kritischen klinischen Informationen bei dem Übergang von einer medizinischen Einrichtung in eine andere stellt eine ernstzunehmende Gefahr für die Patient*innensicherheit dar (World Health Organization, 2016, S. 3).

Studien heben fehlende oder unvollständige Angaben zu Medikamenten als die häufigste Form von Dokumentationsabweichungen in Patientenakten hervor (Hellström et al., 2012, S. 6). Besonders im Akutfall ist es riskant, sich auf die Erinnerungsfähigkeit von Patient*innen zu verlassen. Denn viele ältere Notfallpatient*innen können ihre aktuelle Medikation nicht vollständig oder korrekt wiedergeben (Goldberg et al., 2021, S. 2).

Neben der Medikation bestehen auch erhebliche Defizite bei der Dokumentation von Allergien. Vor allem bei präklinischen Übergaben fehlen entsprechende Informationen häufig sowohl in Übergabeformularen als auch in Berichten. Solche Dokumentationslücken können die Patient*innensicherheit erheblich beeinträchtigen und zu vermeidbaren Komplikationen führen (Lubin & Shah, 2022; Ringwald et al., 2024, S. 143).

Projektvision

TrinitySync verbessert den Informationsfluss bereits beim ersten Kontakt mit Rettungs- und Notfallpersonal. Dadurch können medizinische Fachkräfte schneller, sicherer und gezielter handeln, während Fehler und Verzögerungen minimiert werden.

Die Lösung basiert auf einem kompakten, standardisierten Trinity-Datensatz aus Allergien, Medikamenten, und Vorerkrankungen.

Zentrale Eigenschaften

TrinitySync bezieht die medizinischen Daten direkt vom Hausarzt. Dadurch wird sichergestellt, dass die Informationen immer aktuell, verlässlich und medizinisch geprüft sind.

Der Zugriff erfolgt über einen QR-Code, der an einem fest definierten und leicht auffindbaren Ort angebracht wird – beispielsweise am Kühlschranks der Patient*innen. Nach dem Scannen gelangt Notfall- und Rettungspersonal über einen sicheren, personenbezogenen und einmalig gültigen Zugangslink direkt zur Webanwendung.

Diese Vorgehensweise reduziert die Anzahl der notwendigen Schritte in zeitkritischen Situationen auf ein Minimum und gibt gleichzeitig die Kontrolle über den Zugang zu vertraulichen Daten nicht aus der Hand.

Die Webanwendung zeigt den Namen der Patientin bzw. des Patienten, das Geburtsdatum und den komplette Trinity-Datensatz: Allergien, aktuelle Medikamente, Vorerkrankungen. Der Zugriff ist ausschließlich für autorisierte Einsatzkräfte vorgesehen. Für Patient*innen sind weder eine App noch ein Login erforderlich. Zudem entsteht kein zusätzlicher administrativer Aufwand.

Besonderer Wert wird auf eine intuitive Benutzerführung, hohe Verständlichkeit und eine effiziente Nutzung gelegt – mit dem klaren Ziel, in kritischen Situationen wertvolle Zeit zu sparen.

Projektstatus

Ein funktionsfähiger Prototyp wurde bereits erfolgreich umgesetzt und demonstriert das Kernkonzept von TrinitySync: den unmittelbaren Zugriff auf kritische Patient*inneninformationen für Rettungs- und Notfallpersonal. Frontend, Backend und Datenbank wurden in ein gebrauchsfähiges System integriert. Somit konnten die wesentlichen technischen Projektziele erreicht werden.

Darüber hinaus wurden ein umfassendes Testkonzept zur Gebrauchsfähigkeit, ein Fragebogen sowie ein Testprotokoll entwickelt und vorbereitet. Die praktische Evaluierung der Gebrauchsfähigkeit ist für das kommende Semester geplant und bildet die Grundlage für die weitere Entwicklung des Prototyps.

Projektziele

Das Ziel von TrinitySync ist die Sicherstellung einer kontinuierlichen und sicheren Versorgung durch die Bereitstellung der entscheidenden Informationen genau dort, wo und wann sie am dringendsten benötigt werden. Die Lösung wurde speziell entwickelt, um medizinisches Fachpersonal – insbesondere Rettungs- und Notfallkräfte – im Einsatz zu unterstützen.

Dabei ist es essentiell, dass die Lösung keinen zusätzlichen Arbeitsaufwand für Rettungs- und Notfallkräfte mit sich bringt: Zeit zu sparen darf niemals bedeuten, Zeit zu verlieren! 

Literatur

Goldberg, E. M., Marks, S. J., Merchant, R. C., Nagy, J. L., Aquilante, J. A., & Beaudoin, F. L. (2021). How Accurately Do Older Adult Emergency Department Patients Recall Their Medications? Academic Emergency Medicine28(2), 248–252. https://doi.org/10.1111/acem.14032

Hellström, L. M., Bondesson, Å., Höglund, P., & Eriksson, T. (2012). Errors in medication history at hospital admission: Prevalence and predicting factors. BMC Clinical Pharmacology12(1), 9. https://doi.org/10.1186/1472-6904-12-9

Lubin, J. S., & Shah, A. (2022). An Incomplete Medical Record: Transfer of Care From Emergency Medical Services to the Emergency Department. Cureus. https://doi.org/10.7759/cureus.22446

Ringwald, M., Moi, L., Wetzel, A., Comte, D., Muller, Y. D., & Ribi, C. (2024). Risk factors for allergy documentation in electronic health record: A retrospective study in a tertiary health center in Switzerland. Allergology International73(1), 143–150. https://doi.org/10.1016/j.alit.2023.06.006

World Health Organization. (2016). Transitions of Care: Technical Series on Safer Primary Care. WHO. Abgerufen am: 25.01.2026. https://iris.who.int/bitstream/handle/10665/252272/9789241511599eng.pdf?sequence=1