AI an der Wiener Börse: Use Cases und Roadmap

#Digital Management & Sustainability (MA) #Studierenden-Projekt

Das Projekt untersucht, wie Künstliche Intelligenz in einem hochregulierten Kapitalmarktumfeld sinnvoll, verantwortungsvoll und strategisch wirksam eingesetzt werden kann.

Wie kann Künstliche Intelligenz Prozesse wirklich entlasten, Qualität verbessern und zugleich regulatorisch tragfähig implementiert werden? Mit dieser Frage beschäftigten sich Studierende des Masterstudiengangs Digital Management & Sustainability der USTP – University of Applied Sciences St. Pölten im Rahmen eines Praxisprojekts mit der Wiener Börse AG.

Hintergrund des Projekts

Die Wiener Börse AG bewegt sich als zentrale Marktinfrastruktur in einem datenintensiven und stark regulierten Umfeld. Viele Prozesse erfordern hohe Genauigkeit, Nachvollziehbarkeit, Datenschutz, Informationssicherheit und menschliche Kontrolle. Gleichzeitig entstehen in wissensintensiven Organisationen zahlreiche wiederkehrende Tätigkeiten, die durch KI-gestützte Systeme unterstützt werden können.

Vor diesem Hintergrund bestand die Aufgabe der Studierenden darin, ausgewählte KI-Use-Cases nicht nur technologisch zu betrachten, sondern sie im konkreten Unternehmenskontext zu bewerten. Entscheidend war dabei, ob ein Use Case realistisch umsetzbar ist, welchen Nutzen er erzeugen kann und welche Governance-, Daten- und Compliance-Voraussetzungen erfüllt sein müssen.

Zielsetzung

Ziel des Praxisprojekts war es, aus einer umfangreichen Sammlung möglicher KI-Anwendungsfälle ausgewählte Use Cases zu analysieren, zu priorisieren und in konkrete Handlungsempfehlungen zu übersetzen. Das Ergebnis ist eine priorisierte, regulatorisch tragfähige KI-Roadmap, die mögliche Umsetzungspfade sichtbar macht.

Methodik und Bewertungslogik

Die Studierenden arbeiteten mit einem strukturierten Bewertungsansatz. Ausgehend von rund 170 identifizierten KI-Anwendungsfällen wurden ausgewählte Use Cases entlang strategischer und operativer Kriterien analysiert.

Bewertet wurden insbesondere:

  • strategisches Potenzial und Business Impact
  • potenzielle Ressourcenersparnis und Effizienzgewinn
  • mögliche Qualitätsverbesserung
  • Compliance- und Cybersecurity-Anforderungen
  • technische und organisatorische Umsetzbarkeit

Die Analyse machte deutlich, dass erfolgreiche KI-Implementierung nicht allein von der Verfügbarkeit geeigneter Tools abhängt. Eine strukturierte Datenbasis, klare Freigabeprozesse, Governance-Regeln, Human-in-the-Loop-Prinzipien und ein realistisches Verständnis organisatorischer Voraussetzungen sind zentrale Erfolgsfaktoren.

Themenfelder der analysierten Use Cases

Die analysierten Themenfelder zeigen, in welchen Bereichen KI im Unternehmenskontext grundsätzlich Mehrwert schaffen kann:

  • KI-gestützte Content-Erstellung und redaktionelle Unterstützung
  • Wissensmanagement und interne Assistenzsysteme
  • Dokumenten- und Präsentationsprozesse
  • administrative Abläufe und Prozessautomatisierung
  • Datenextraktion und strukturierte Aufbereitung von Informationen
  • Bewertung von Quick Wins und langfristigen Transformationsprojekten

Zentrale Lernerfahrungen

Für die Studierenden war das Projekt besonders praxisnah, weil sie KI nicht abstrakt diskutierten, sondern entlang realer Unternehmensanforderungen bewerten mussten. Im Mittelpunkt standen unter anderem folgende Fragen:

  • Was ist technisch möglich?
  • Was ist organisatorisch realistisch?
  • Welche Datenbasis braucht es?
  • Welche Governance-Strukturen müssen vorhanden sein?
  • Wann ist ein Use Case ein Quick Win und wann eher ein strategisches Transformationsprojekt?

Damit konnten die Studierenden KI-Wissen, Umsetzungskompetenz, strategisches Prozessverständnis und Erfahrungen im Umgang mit regulierten Unternehmenskontexten aufbauen. Zugleich erhielten sie Einblicke in neue Geschäftsmodelle, KI-gestützte Arbeitsweisen und konkrete Transformationsfragen der Praxis.

Kooperation mit der Wiener Börse AG

Das Kick-off des Projekts fand im Februar 2026 an der Wiener Börse statt. Die Abschlusspräsentation erfolgte Ende Mai am Campus St. Pölten. Der persönliche Austausch mit dem Projektpartner war ein zentraler Bestandteil des Lernprozesses und ermöglichte den Studierenden, ihre Analysen an realen Anforderungen zu spiegeln.

Ein besonderer Dank gilt Alexander Racher und Erwin Hof von der Wiener Börse AG für die Offenheit, das Vertrauen und die engagierte Begleitung des Projekts. Ebenso gilt der Dank Clemens Faustenhammer, der die Lehrveranstaltung leitete und die Studierenden fachlich begleitete.

Einblicke in das Masterstudium Digital Management & Sustainability

Das Projekt zeigt exemplarisch, wie im Masterstudiengang Digital Management & Sustainability gearbeitet wird: Studierende beschäftigen sich mit realen Transformationsfragen, verbinden digitale Technologien mit strategischem Management und entwickeln anwendungsorientierte Lösungen in enger Kooperation mit Unternehmen.

Der Studiengang bereitet Absolvent*innen darauf vor, grüne und digitale Transformation in Organisationen zu gestalten, Geschäftsprozesse weiterzuentwickeln und Veränderungsprozesse strategisch zu begleiten.

Projektpartner

Die Wiener Börse AG ist der zentrale Infrastrukturbetreiber des österreichischen Kapitalmarkts. Im Rahmen des Praxisprojekts stellte sie konkrete Fragestellungen zur Analyse von KI-Potenzialen zur Verfügung und begleitete den Projektverlauf fachlich.