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Digitalisierung bei einem Likörhersteller
Studierende entwickelten digitale Lösungsansätze für Prozesse von der Beschaffung und Produktion bis zu Vertrieb und Distribution bei Da Oagna.
Digitalisierung bei einem Likörhersteller
Das Praxisprojekt untersucht, wie digitale Lösungen die Abläufe eines regionalen Lebensmittelhandwerksbetriebs von der Beschaffung bis zum Vertrieb effizienter und transparenter gestalten können.
Wie lässt sich ein handwerklich geprägter Betrieb digital weiterentwickeln, ohne unnötig komplexe Systeme einzuführen? Welche Prozesse bieten tatsächlich Potenzial für Automatisierung? Und wie können digitale Werkzeuge so ausgewählt werden, dass sie zu Größe, Ressourcen und Wachstumszielen des Unternehmens passen?
Mit diesen Fragen beschäftigten sich 17 Studierende des Masterstudiengangs Digital Management & Sustainability in der Vertiefung Digital Project & Innovation Management gemeinsam mit dem Praxispartner Da Oagna.
Ausgangslage: Handwerkliche Qualität und wachsende Prozesse
Da Oagna ist ein regionaler Direktvermarktungs- und Lebensmittelhandwerksbetrieb mit Sitz in Aigen in Niederösterreich. Das Unternehmen produziert natürliche Liköre in Handarbeit und setzt dabei auf regionale Rohstoffe, traditionelle Verarbeitung und ressourcenschonende Wertschöpfung.
Mit wachsender Produktvielfalt, unterschiedlichen Beschaffungswegen und mehreren Kontakt- und Vertriebskanälen steigen jedoch auch die Anforderungen an Lagerhaltung, Produktionsplanung, Auftragsbearbeitung und Distribution. Viele Informationen müssen über verschiedene Systeme und Kommunikationskanäle hinweg koordiniert werden. Genau hier setzte das Praxisprojekt an.
Zielsetzung des Projekts
Ziel war es, Digitalisierungspotenziale entlang der Wertschöpfungskette zu identifizieren und umsetzbare Lösungsansätze für die betrieblichen Abläufe zu entwickeln. Im Mittelpunkt standen folgende Themenfelder:
- Transparenz über Lagerbestände, Materialbewegungen und Produktionsschritte
- digitale Unterstützung von Beschaffung und Produktionsplanung
- Verknüpfung von Lager, Produktion, Vertrieb und Distribution
- zentrale Bearbeitung von Anfragen und Bestellungen aus unterschiedlichen Kanälen
- Optimierung von Customer Journey und Bestellprozess
- digitale Unterstützung von Versand, Etikettierung und Sendungsverfolgung
- Bewertung von Aufwand, Nutzen, Integrationsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit
Vorgehensweise: Vom Ist-Prozess zum Prototyp
Das Projekt wurde in mehreren aufeinander aufbauenden Phasen durchgeführt. Nach dem Kick-off am 28. Februar 2026 analysierten die Studierenden zunächst die bestehenden Prozesse, Systeme und Schnittstellen. Auf dieser Basis entwickelten sie Anforderungskataloge und verglichen unterschiedliche Software- und Plattformlösungen.
Ausgewählte Ansätze wurden anschließend prototypisch aufgebaut und anhand praxisnaher Testfälle geprüft. Neben der technischen Funktionalität betrachteten die Teams auch Benutzerfreundlichkeit, Datenschutz, Skalierbarkeit, Implementierungsaufwand und wirtschaftliche Tragfähigkeit. Die Ergebnisse wurden regelmäßig mit der Lehrveranstaltungsleitung und dem Praxispartner abgestimmt.
Lösungsfelder der Digitalisierung
Die entwickelten Konzepte zeigen exemplarisch, wie digitale Lösungen in einem regionalen Produktionsbetrieb eingesetzt werden können. Dazu zählen beispielsweise eine strukturierte Erfassung von Lagerständen und Chargen, digital unterstützte Bestell- und Fertigungsprozesse, die Bündelung von Kundenanfragen, die Anbindung eines Webshops sowie die Integration von Versand- und Logistiklösungen.
Welche Systeme und konkreten Implementierungsschritte empfohlen wurden, bleibt aus Gründen des Datenschutzes, der Integrität und der betrieblichen Vertraulichkeit im Projektrahmen. Im Vordergrund der Projektseite stehen daher die bearbeiteten Themenkomplexe und der methodische Zugang.
Ergebnisse und Nutzen
Die Projektteams entwickelten nachvollziehbare Soll-Prozesse, verglichen digitale Werkzeuge anhand definierter Kriterien und erarbeiteten prototypische Lösungs- und Implementierungskonzepte. Dadurch erhielt der Praxispartner eine strukturierte Entscheidungsgrundlage für mögliche nächste Digitalisierungsschritte.
Das Projekt verdeutlicht zugleich, dass erfolgreiche Digitalisierung nicht mit der Auswahl eines Tools beginnt. Entscheidend sind ein klares Verständnis der Prozesse, realistische Anforderungen, geeignete Schnittstellen und eine schrittweise Umsetzung, die zu den Ressourcen des Unternehmens passt.
Kompetenzentwicklung der Studierenden
Die Studierenden verbanden Methoden des Projekt- und Innovationsmanagements mit einer realen unternehmerischen Aufgabenstellung. Sie vertieften insbesondere Kompetenzen in:
- Prozessaufnahme und Prozessmodellierung
- Anforderungsmanagement und Systemauswahl
- Softwareevaluation und Prototyping
- Projektplanung und Stage-Gate-Vorgehen
- Kosten-Nutzen- und Wirtschaftlichkeitsbetrachtung
- Teamarbeit und Stakeholder-Kommunikation
- verantwortungsvollem Umgang mit vertraulichen Unternehmensinformationen
Abschlusspräsentation am Campus St. Pölten
Am 15. Mai 2026 präsentierten die Teams ihre Vorgehensweisen und Ergebnisse am Campus St. Pölten. Die Abschlusspräsentationen machten sichtbar, wie praxisnah digitale Transformation im Masterstudium Digital Management & Sustainability bearbeitet wird: ausgehend von einer realen Problemstellung, wissenschaftlich und methodisch fundiert sowie in enger Zusammenarbeit mit einem Unternehmen.
Projektbegleitung und Kooperation
Geleitet wurde die Lehrveranstaltung von Patrick Rupprecht. Christoph Mayrhofer begleitete das Projekt als Co-Leiter der Lehrveranstaltung sowie als Gründer und Betreiber von Da Oagna. Durch das kontinuierliche Feedback und den direkten Zugang zur betrieblichen Praxis konnten die Studierenden ihre Ansätze realitätsnah entwickeln und kritisch prüfen.
Einblicke in den Master Digital Management & Sustainability
Das Projekt steht exemplarisch für die praxisorientierte Lehre im berufsbegleitenden Masterstudiengang Digital Management & Sustainability. Studierende arbeiten an aktuellen Fragestellungen der digitalen und grünen Transformation und entwickeln Lösungen an der Schnittstelle von Strategie, Technologie, Nachhaltigkeit und Change Management.